100 neue Wörter

„100 neue Wörter“ ist eine Lecture Performance-Reihe, die seit 2022 im Literaturforum im Brecht-Haus stattfindet. Auf Initiative des Literaturforums habe ich die Konzeption des Projektes entwickelt und darf Künstler*innen einladen Performances zu entwickeln, die mit der literarischen Form des Vortrags bzw. der Lesung arbeiten.
Ziel des Projektes ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Sprache entlang jährlich wechselnder Themen.

100 neue Wörter für Wetter
Das Wetter war lange ein Smalltalk-Thema. Auch wenn sonst die Differenzen groß waren, auf das Wetter konnten sich die Menschen schnell einigen. Doch das ändert sich: Der Blick aus dem Fenster, der Schritt vor die Haustür und die passenden Informationen aus der Wetter-App sind Teil einer immer komplexer werdenden Erfahrung. Vor 150 Jahren wiesen Wissenschaftler*innen das erste Mal den Treibhauseffekt nach. Seit den 1990er Jahren lassen sich die steigenden Temperaturen eindeutig der Verbrennung fossiler Stoffe zuordnen. Der Klimawandel ist ein Fakt – und gleichzeitig ideologisch umkämpft. Der menschliche Einfluss auf das Wetter nimmt auch im Bereich des Militärs zu. So entwickeln etwa führende Militärnationen Technologien, um mit sogenannten Wolkenimpfungen für einen blauen Himmel zu sorgen. Die beschleunigte Technisierung und Anthropogenisierung der Erde führt dazu, dass sich imperiale Geopolitiken nicht mehr nur auf das Land, sondern auch auf den Luftraum und darüber hinaus bis in den Weltraum erstrecken. The sky is no longer the limit.

In der dritten Ausgabe widmet sich die Lecture Performance-Reihe »100 neue Wörter« dem Wetter. Die Künstler*innen Joana Moll, Sinthujan Varatharajah, Ed Atkins, Marco Donnarumma und Judith Schalansky entwickeln neue Texte und performative Situationen, in denen sie die Veränderungen der Luft, der Wolken, des Regens und der Sonne beschreiben. Dabei bietet die Lecture Performance mit den Ästhetiken des Solos die Möglichkeit, in künstlerisch unterschiedlichen Formen und Traditionen mit Sprache zu arbeiten – als Lesung, Vortrag oder Monolog.

Flankierend zu den Beiträgen der Künstler*innen finden Gesprächsveranstaltungen mit Expert*innen statt, die durch ihr Wissen zum Wetter die Impulse der Lecture Performances aufnehmen, vertiefen und erweitern. Alle fünf Lecture Performances werden aufgezeichnet und stehen wenige Tage nach der Veranstaltung online in der Mediathek des Literaturforums im Brecht-Haus mit deutschen und englischen Untertiteln zur Verfügung.

Joana Moll: 2. + 3. Mai 2024
Sinthujan Varatharajah: 7. + 8. Mai 2024
Ed Atkins: 18. + 19. September 2024
Marco Donnarumma: 7. + 8. November 2024
Judith Schalansky: 12. + 13. November 2024

Künstlerische Leitung: Cornelius Puschke
Produktionsleitung: Lisa Homburger
Szenografie und Technische Leitung: Marc Jungreithmeier
Dramaturgische Begleitung: Franziska Winkler
Licht und Ton: Nils Maushagen
Video: David San Millán
Grafik: Anna Giulia Zeller
Produktionsassistenz: Mascha Leskien, Julia Stavermann

Gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Ausgabe des Jahres 2023 fand unter dem Titel „100 neue Wörter für Arbeit“ statt – mit Lecture Performances von: Ho Rui An, Heike Geißler, Damian Rebgetz, Ann Cotten, Anta Helena Recke.

Die Ausgabe des Jahres 2022 hieß 100 neue Wörter für Zuhause. Die beteiligten Künstler*innen waren Antonia Baehr, Steven Solbrig, Sebastian Schmieg, Franziska Pierwoss & Siska, Nava Ebrahimi, !Mediengruppe Bitnik und Senthuran Varatharajah.

Alle entstandenen Lecture Performances werden aufgezeichnet und sind wenige Tage nach der Veranstaltung auf dem YouTube-Kanal des Literaturforum im Brecht-Haus mit englischen und deutschen Untertiteln verfügbar.

100 New Words for Weather

For a long time, there were no ideological battles about the weather. It was a traditional subject of every small talk, a non-binding conversation starter or the lowest common denominator. Even when people argued and insisted on their different positions, they were quick to agree on the weather. But this is changing. Looking out of the window, stepping outside the house and getting the according information from the weather app are part of an increasingly complex experience. The greenhouse effect was modeled for the first time 150 years ago. Since the 1990s, scientists have been able to clearly attribute rising temperatures to the burning of fossil fuels. Climate change is a fact and at the same time the subject of far-reaching ideological debates. Human influence on the weather is also increasing in the military sector. For a long time, the Fog of War was used to metaphorically describe unknown army strengths in battle. Today, leading warring nations are developing technologies in the field of geo-engineering to ensure blue skies – through so-called cloud seeding. The accelerated mechanization and anthropogenization of the earth means that imperial geopolitics no longer only extend to land, but also to airspace and beyond into outer space. The sky is no longer the limit.

In its third edition, the lecture performance series »100 new words« examines the weather. The artists Joana Moll, Sinthujan Varatharajah, Ed Atkins, Marco Donnarumma and Judith Schalansky develop new texts and performative situations from which they describe the changes in the air, the clouds, the rain and the sun. The lecture performance with the aesthetics of the solo offers the opportunity to work with language in different artistic forms and traditions – as a reading, lecture or monologue. The artists‘ contributions will be accompanied by discussion events with experts who will take up, deepen and expand the impulses of the lecture performances with their knowledge of the weather.